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Interview mit Stephenie Meyer zu "Eclipse" und "Bis(s) zum ersten Sonnenstahl"

Um das Erscheinen des neuen Bis(s)-Buches zu feiern, hat Stephenie Meyer persönlich alle Fragen zu Bree Tanner beantwortet!

Sie verrät Dir Details über den Kinofilm "Eclipse - Bis(s) zum Abendrot" und das neue Buch aus der Sicht des neugeborenen Vampirs Bree! Lies rein!

Stephenie Meyer antwortet!

Frage: Bree taucht nur auf wenigen Seiten in Bis(s) zum Abendrot auf. Was hat die Figur an sich, dass Sie sich näher mit ihrer Geschichte beschäftigen wollten?

Stephenie Meyer: Zu Anfang war ich gar nicht speziell von Bree fasziniert, sondern von den Neugeborenen im Allgemeinen. Während ich an Bis(s) zum Abendrot schrieb, geschah natürlich eine Menge hinter den Kulissen, Dinge, von denen Bella nichts wusste. Da sie es war, die im Mittelpunkt stand, konnte ich nicht so sehr in die Geschichte der Neugeborenen eintauchen, trotzdem hatte ich immer eine ungefähre Vorstellung davon, was sie vorhatten.

Während die Handlung voranschritt, musste ich ständig überlegen: Wenn Bella jetzt an diesem Punkt ist, machen die Neugeborenen gerade das. Um nicht den Überblick zu verlieren, legte ich schließlich sogar einen Kalender für die Monate Mai und Juni an – in denen Bis(s) zum Abendrot spielt - und schrieb genau auf, was Bella an diesem oder jenem Tag machte und was gleichzeitig in Seattle vor sich ging. Insofern war die Geschichte der Neugeborenen unterschwellig immer präsent in Bis(s) zum Abendrot. Und es machte mich irgendwie traurig, dass es keine Möglichkeit gab, wenigstens etwas davon in dem Buch zum Ausdruck zu bringen.

Bree ist die einzige Neugeborene, die in Bis(s) zum Abendrot namentlich genannt wird, die einzige Neugeborene, die Kontakt zu den Cullens hat (der darüber hinausgeht, von ihnen umgebracht zu werden), und die einzige Neugeborene, die auf der Lichtung im Wald den Volturi begegnet. Sie lebt am längsten, also kann nur sie die ganze Geschichte erzählen. Wie von selbst fiel die Wahl auf sie als Erzählerin, um von den Neugeborenen zu berichten. Sobald ich angefangen hatte, aus ihrer Perspektive zu schreiben, wurde sie lebendig. So sehr, dass es wirklich immer deprimierender wurde, fortzufahren, je näher ich dem unausweichlichen Ende kam. Es fiel mir schwerer, Bree sterben zu lassen, als jede andere Figur zuvor, obwohl ich es bereits zum zweiten Mal tat. (Vor Bree war der traurigste Tod der Walters in Seelen gewesen.)
Wann haben Sie festgestellt, dass die “Kurzgeschichte”, an der Sie für The Twilight Saga: The Official Guide arbeiteten, ein eigenständiges Buch werden würde?

Mir war nicht klar, dass meine Geschichte über Bree den Umfang einer eigenständigen Erzählung hatte, bis ich sie an meinen Verlag schickte. Ich wusste nur, dass sie 80.000 Wörter weniger umfasste als die meisten meiner Romane. Deswegen war ich überrascht, als ich erfuhr, dass sie beinahe zweihundert Seiten lang war und nicht in den Guide passte. Ich hatte mir allerdings immer gewünscht, dass die Leser Brees Geschichte lesen könnten, bevor der Film in die Kinos kam. Als man mir daher vorschlug, sie als eigenständiges Buch zu veröffentlichen, hielt ich das für eine gute Idee.
Stephenie Meyer
Warum halten Sie es für wichtig, dass man Brees Geschichte liest, bevor man sich den Film Eclipse - Bis(s) zum Abendrot ansieht?

Bis(s) zum Abendrot wird ausschließlich aus Bellas Perspektive erzählt. Das bringt Beschränkungen mit sich; wenn, um es mal so auszudrücken, derart viel hinter den Kulissen stattfindet, bleiben eine Menge Rätsel ungelöst. Die Filme haben in gewisser Weise den Vorteil, die Geschichte aus einer Perspektive außerhalb von Bellas Kopf betrachten zu können. Der Zuschauer bekommt Dinge zu sehen - wie zum Beispiel die Wölfe, die in New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde Victoria jagen –, die im Buch nur angedeutet werden. Von allen Bis(s)-Büchern passiert in Bis(s) zum Abendrot am meisten außerhalb von Bellas Perspektive. Damit der Film funktioniert, müssen wir einige dieser Dinge sehen und verstehen.

Da ich wusste, dass einige Elemente aus Brees Geschichte in den Film einfließen würden, hoffte ich, dass das Buch vorher erscheinen könnte. Ich persönlich lese immer lieber das Buch, bevor ich mir den dazugehörigen Film ansehe. Ich entwerfe gern meine eigenen Bilder im Kopf, bevor die Bilder eines anderen dort eindringen. Wahrscheinlich haben die meisten meiner Leser nicht diesen Tick, aber denjenigen, denen es genauso geht, wollte ich die Möglichkeit geben, sich ihre eigenen Bilder von Bree und den übrigen Neugeborenen zu machen.
Wie hat die Geschichte um Bree den Film Eclipse – Bis(s) zum Abendrot beeinflusst?

Ungefähr zur gleichen Zeit, als ich begann, an Brees Geschichte zu arbeiten, machte sich Melissa Rosenberg, die Drehbuchautorin der Twilight-Filme, an die Arbeit für den Film Eclipse – Bis(s) zum Abendrot. Sie stellte mir eine Unmenge Fragen darüber, was in Seattle geschah. Da der Film nicht in dem Maße an Bellas Perspektive gebunden ist wie das Buch, hatte sie die Freiheit, sich näher mit den Neugeborenen zu beschäftigen, aber sie legte Wert darauf, dass ihre Darstellung mit der Geschichte in meinem Kopf übereinstimmte. Ich erzählte ihr von dem Teil von Brees Geschichte, den ich bereits geschrieben hatte, und sie wollte ihn unbedingt lesen. Ihre Begeisterung war ansteckend und ich begann mich wirklich auf diese Erzählung zu konzentrieren.

Als die Vorproduktionsphase für Eclipse – Bis(s) zum Abendrot begann, hatte ich Brees Geschichte abgeschlossen. Ich schickte sie an David Slade, den Regisseur, und er fragte, ob ich damit einverstanden sei, dass sie auch die Schauspieler lesen könnten, die an den Filmszenen über die Neugeborenen beteiligt seien. Natürlich habe ich Ja gesagt.
Dass in Eclipse – Bis(s) zum Abendrot Szenen über die Neugeborenen vorkommen, hat also nichts mit Brees Erzählung zu tun, aber dass diese Szenen in großen Teilen mit der Geschichte in meinem Kopf übereinstimmen, schon. Hoffentlich konnte sie auch Xavier, Bryce und Jodelle einen zusätzlichen Einblick in ihre Figuren geben.
Schon bevor wir anfangen zu lesen, wissen wir, dass Bree sterben wird. Was war es für ein Gefühl, das Bis(s)-Universum aus einem dunkleren Blickwinkel zu betrachten?

Anfangs dachte ich, es würde Spaß machen. Ich konzentrierte mich stärker auf die Handlung als auf die Figuren – was ungewöhnlich für mich ist – und freute mich darauf, ein bisschen Zeit mit ein paar echt vampirmäßigen Vampiren zu verbringen. Ich hatte viele Actionszenen im Kopf, die ich zu Papier bringen wollte. Aber als ich anfing, diese Szenen aus Brees Perspektive zu betrachten, wurden die Figuren wichtiger als der Spaß an möglichst viel blutrünstiger Action. Je stärker mir Bree und ihre Freunde ans Herz wuchsen, umso schrecklicher war es, weiterzuschreiben. Am Schluss fühlte es sich auf ganz andere Weise düster an, als ich erwartet hatte.
Wie war es, aus der Perspektive einer anderen Twilight-Figur zu schreiben? Hat es Sie dazu gebracht, irgendetwas aus Bis(s) zum Abendrot oder den vorigen Romanen in einem anderen Licht zu sehen?

Dies ist schon das dritte Mal, dass ich aus der Perspektive einer anderen Twilight-Figur als Bella geschrieben habe – ich habe bereits aus Edwards und Jacobs Perspektive erzählt. In allen drei Fällen hat es sich ganz natürlich angefühlt; wenn ich aus Bellas Perspektive schreibe, kenne ich immer auch die Gedanken der anderen beteiligten Figuren, ich habe nur keine Möglichkeit, sie mitzuteilen. Von daher hat es mir großen Spaß gemacht, diese anderen Stimmen einmal zu Wort kommen zu lassen. Eines der Dinge, die mir am besten gefallen, wenn ich aus einer anderen Perspektive schreibe, ist, die Figuren, die ich bereits kenne, mit anderen Augen zu sehen. Als ich mit Bree zur Lichtung kam, fügte sich für mich wirklich alles zusammen. Ich fand es wunderbar, Bella und die Cullens aus ihrer Sicht beschreiben zu können.
In Bis(s) zum Ende der Nacht erfährt Bella, was es heißt, eine Neugeborene zu sein, und jetzt können die Leser das auch an Bree beobachten. Haben Sie bei der Beschreibung von Brees Erfahrungen an Bellas gedacht oder umgekehrt?

Auf jeden Fall – ich habe die beiden beim Schreiben ständig in Gedanken miteinander verglichen, weil sie sehr unterschiedliche Erfahrungen als Neugeborene machen. Als Bella ihr neues Leben als Vampir beginnt, ist sie gut vorbereitet, voller Erwartung und sturer Entschlossenheit. Bree dagegen hat keine Ahnung, was mit ihr geschieht; sie stolpert blindlings hinein.

Aber beide halten sich, gemessen an den Umständen, außergewöhnlich gut. Ich stelle mir vor, dass Bellas Verhalten dem Brees sehr geähnelt hätte, wenn sie auf vergleichbare Weise verwandelt worden wäre.
Im Laufe der Twilight-Saga begegnen wir einer großen Anzahl unterschiedlicher Vampire. Ist Bree der einzige Vampir abgesehen von den Cullens, für den Sie eine solch konkrete Geschichte entworfen haben? Gibt es noch eine andere Figur, die Sie gern auf ähnliche Art näher erforschen würden?

Wenn ich alle Zeit der Welt hätte und nicht abgelenkt würde, könnte ich eine Kurzgeschichte über jede meiner Figuren schreiben; aus manchen würden kurze Erzählungen werden, aus anderen Romane und aus wieder anderen ganze Serien. Einige der Geschichten sind ziemlich klar – Aros Vorgeschichte zum Beispiel, Marcus und Didyme, Jane und Alec, Charlotte und Peter, Alistair, die Denalis –, über andere habe ich nicht so viel nachgedacht. Die meisten dieser Geschichten fühlen sich nicht so dringlich an wie Brees, weil Brees Geschichte die Haupthandlung so direkt beeinflusst. Ich weiß nicht, ob ich je noch eine solche Nebengeschichte erzählen werde. Aber es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht.
War es einfacher oder schwieriger, über das Bis(s)-Universum zu schreiben, nachdem Sie es im Film gesehen hatten?

Die eigentlichen Bis(s)-Geschichten waren bereits geschrieben, als der erste Film herauskam, von daher kann ich das gar nicht sagen. Die Filme sind eine tolle und interessante Ergänzung zu den Büchern, aber sie hatten keinen Einfluss auf die Geschichte in meinem Kopf.
Warum haben Sie sich dafür entschieden, dem Amerikanischen Roten Kreuz die Spenden aus dem Verkauf der amerikanischen Originalausgabe von Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl zukommen zu lassen?

Die enorme Unterstützung nach der Katastrophe in Haiti hat mich tief bewegt. Viele Twilight-Fanclubs haben Geld gesammelt und ich war wirklich beeindruckt von ihren Bemühungen. Dabei wollte ich mithelfen. Ich halte es für wichtig, dass wir Haiti und Chile nicht gleich wieder vergessen, nur weil sie jetzt aus den Schlagzeilen verschwunden sind. Es dauert sehr lange, eine solche Verwüstung zu beseitigen, und die Menschen dort sind weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen.
In welcher Reihenfolge würden Sie die Lektüre der Twilight-Saga und Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl empfehlen? Sollte man Brees Geschichte nach Bis(s) zum Abendrot einschieben oder zunächst Bis(s) zum Ende der Nacht lesen, bevor man Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl aufschlägt?

Wenn ich die Twilight-Saga zum ersten Mal lesen würde, würde ich vermutlich Bellas Geschichte am Stück durchlesen, bevor ich mich einer anderen Perspektive zuwende.